Frauenstreik in Frankfurt: Sichtbarkeit für Care/Sorge-Arbeit und gemeinsame Verantwortung

Am 9. März gingen Frauen* und FLINTA* in Frankfurt am Main auf die Straße, um mehr Sichtbarkeit für Care-Arbeit und mehr Gleichheit in der Sorge-Arbeit zu fordern. Auch das EVA Frauenzentrum beteiligte sich an diesem wichtigen Tag, um ein Zeichen für Solidarität und Anerkennung der oft unsichtbaren Sorgearbeit zu setzen. Zu der sog. Care-Arbeit oder auch Sorge-Arbeit rechnet man zum Beispiel Hausarbeit, Pflegen, Betreuen und Versorgen von Kindern und Erwachsenen.

Mit unseren Räumen und unserer Kollegin Maimouna Jah haben wir die Initiative welcome to the motherside bei einem Frauenstreik-Brunch für Mütter mit und ohne Kinder unterstützt. Ziel war es, einen Raum zu schaffen, in dem Frauen* und FLINTA* zusammenkommen, sich austauschen und auch einmal selbst umsorgt werden. Dank großzügiger Unterstützung gab es ein reichhaltiges Buffet mit Spenden von Zeit für Brot, Alnatura und dem Magazin Store Frankfurt. Kaffee wurde von Hoppenworth & Ploch bereitgestellt, und Hafermilch vom Frankfurter Start-up Moelk.

Doch der Frauenstreik ist für mehr als ein gemeinsames Frühstück. Er wirft eine wichtige Frage auf: Was würde passieren, wenn Frauen – wie beim historischen Frauenstreik in Island 1975 – ihre Arbeit niederlegen würden? Vieles würde nicht mehr funktionieren. Denn trotz feministischer Bewegungen und rechtlicher Fortschritte wird der Großteil der Sorge- und Erziehungsarbeit in Deutschland weiterhin von Frauen* und FLINTA* getragen. Sie stellen außerdem den größten Anteil in Pflege- und Sorgeberufen und sind auch im Ehrenamt stark vertreten.

Als Frauenzentrum möchten wir diese unsichtbare Care-Arbeit sichtbar machen und die Diskussion über die gerechte Verteilung von Erziehungs- und Sorgearbeit fortführen. Es braucht ein stärkeres gesellschaftliches Bewusstsein dafür, dass Verantwortung für Kinder, Pflege und Haushalt nicht einseitig verteilt sein darf. Eine faire Aufteilung von Aufgaben und eine Entlastung aller erziehenden Personen sind wichtige Schritte zu mehr Gleichberechtigung.

Unter dem Titel „Collective Mothering – Sharing the Motherload“ bot der Brunch Raum für Entspannung, Austausch und gegenseitige Unterstützung. Neben gutem Essen konnten die Teilnehmerinnen bei Breathwork-Übungen, einer Teezeremonie zur Ruhe kommen und bei offenen Gesprächen neue Kontakte knüpfen.

Kooperationen wie diese zeigen, dass die gegenseitige Unterstützung und das gemeinsame Handeln ein wichtiger Teil des Weges zu mehr Gleichberechtigung sind.