Blog - Teil 3

Feminismus-Anfängerin III

Wie alles begann

Aufgewachsen bin ich in einer Familie mit klassischer Rollenverteilung. Entscheidungen wurden nach meiner Wahrnehmung aber gleichberechtigt getroffen. Als Mädchen habe ich subjektiv keine Benachteiligung erfahren, weil ich ein Mädchen war. Eher hatte ich das Gefühl der Benachteiligung durch ältere Geschwister :-). Insofern hatte ich zunächst keinen äußeren oder inneren Anlass, mich mit Gleichstellung und Feminismus zu beschäftigen.

Das erste Mal

Als Assistentin, mit Schwerpunkt Personal/interne Fortbildungen, hatte ich das erste Mal inhaltlich mit Feminismus zu tun- ich denke jedenfalls, dass es darum gehen sollte. Es gab einen Workshop, der sich damit beschäftigte, wie Frauen sich in einer männerdominierten Geschäftswelt orientieren, bewegen und anpassen können. Auf den ersten Blick ein guter Gedanke. Auf den zweiten Blick: Frauen sollen auch ohne Anpassung erfolgreich sein - mit ihren jeweiligen Stärken.

Das zweite Mal

Das nächste Mal, dass ich mich inhaltlich mit feministischen Themen beschäftigte war, als ich während meine Studiums eine Hausarbeit schrieb, mit der Frage, ob kirchliche Frauenarbeit Frauenbildung ist. Im Rahmen der Recherche stieß ich auf die Evangelischen Frauen in Hessen und Nassau und das EVA. Wie wunderbar, dass ich bald darauf auch ein Praktikum im EVA machen konnte. Mit einer großen Aktion zum 8. März und einer Ausstellung unter dem Titel „Armut ist eine Frau“ tauchte ich intensiv ein in die (Bildungs-)arbeit mit Frauen. Nicht ohne eine gewisse Ambivalenz.

Das dritte Mal

Tja, und dann ging es im Studium weiter. Im Soziologie-Beifach belegte ich die Vorlesung zu „Gender Studies“ . Ich beschäftigte mich also wissenschaftlich damit, wie es zur Zuweisung von Geschlechtern kommt und zur Orientierung an der Kategorie Geschlecht in der sozialen Interaktion. Besonders spannend fand ich den Blick auf andere Kulturen, in denen dritte Geschlechter nicht wegzudenken sind oder auch Gesellschaften, die über ein Matriarchat funktionieren. Das ist natürlich hier sehr kurz gegriffen, aber ich kann und will hier schlecht die gesamt Vorlesung wiedergeben :-) Und ganz spannend - wenn auch nicht direkt feministisch: ein Seminar „Männer und Männlichkeit im Alter“, in dessen Rahmen ich zum ersten Mal von der hegemonialen Männlichkeit hörte...

Das vierte und hoffentlich nicht letzte Mal

Nun arbeite ich im EVA und stecke voll drin. Durch unser Leitbild und unsere Konzeption, unsere Veranstaltungen, durch den Austausch und die Diskussion mit den Kolleginnen und Besucherinnen des EVA. Und auch privat entdecke ich immer wieder neue Aspekte und Denkanstöße.

Und es lohnt sich. Einfach mal anzufangen, mit kleinen Schritten, mit kleinen - vielleicht auch persönlichen - Themen. Es ist noch keine Feminismus-Meisterin vom Himmel gefallen. Oder?

Und hier findest du Teil 1 und Teil 2 nochmal.